Im Blendung-Modul der Planungssoftware Digital Drylayout – DDL.20 können ausgewählte Rohplatten per Drag & Drop ausgerichtet und kombiniert werden. Foto: Lasa Marmo

Im Blendung-Modul der Planungssoftware Digital Drylayout – DDL.20 können ausgewählte Rohplatten per Drag & Drop ausgerichtet und kombiniert werden. Foto: Lasa Marmo

Mit der neuen Planungssoftware Digital Drylayout – DDL.20 können Architekten, Designer, Steinmetze und Händler Projekte in Naturstein planen, das Material auswählen, Berichte und Schnittdaten für die Produktion generieren und bestellen. Das Tool ist für Architekten und Designer kostenlos. Der Bauingenieur Jan Keller mit seinem Unternehmen Art Emotional hat es gemeinsam mit Lasa Marmo als Partner der Steinindustrie entwickelt. Es soll in Zukunft weiteren Branchenakteuren offenstehen. Besonders in Pandemiezeiten kann es als Hoffnungsträger für dezentral organisierte Projekte im Natursteinsektor gelten.

Im Blendung-Modul der Planungssoftware Digital Drylayout – DDL.20 können ausgewählte Rohplatten per Drag & Drop ausgerichtet und kombiniert werden. Foto: Lasa Marmo
Im Blendung-Modul der Planungssoftware Digital Drylayout – DDL.20 können ausgewählte Rohplatten per Drag & Drop ausgerichtet und kombiniert werden. Foto: Lasa Marmo

Nutzerfreundlich wie ein B2C-Onlineshop

Das malerische Südtirol, in dem der Laaser Marmor abgebaut wird, ist an Idylle schwer zu übertreffen: Der Weißwasserbruch liegt auf 1.567 Metern über dem Meer mitten im Nationalpark, unten im Tal gruppieren sich rund um das Dörfchen Laas unzählige Apfelbaumplantagen und sonst vor allem: viel Grün, viel Stille. Zum Leben: herrlich. Um Naturstein zu verkaufen: etwas weniger. Denn der Marmor wird in alle Welt verkauft, auch ohne Pandemie liegt Laas abgelegen von diesen Märkten und internationalen Zielgruppen.

In Corona- Zeiten, in denen Kunden Rohplatten oft nicht persönlich sichten können (und auch danach, wenn sich die Gesellschaft wahrscheinlich daran gewöhnt haben wird, weniger zu reisen), ist eine digitale Lösung umso notwendiger. Schon seit Jahren setzt Lasa Marmo deshalb auf digitale Möglichkeiten, integrierte früh einen speziellen Scanner in die Produktion, um Rohplatten exakt zu scannen, entwickelte als einer der Ersten in der Branche eine Datenbank. Nun folgt deren – zunächst englischsprachiger – Nachfolger, eine „Stone Gallery“, die besonders transparent und nutzerfreundlich sein soll.

Aktuell umfasst sie 3.000 Platten (bisher vor allem der Linie LASA !ndividual), etwa 30 Prozent des potenziellen Lagerbestands, und soll kontinuierlich ausgebaut werden. Dazu kommen 2.000 Platten, mit denen Lasa Marmo aktuelle Projekte organisiert. Den lichtreflektierenden, weißen Marmor samt seiner Venierungen farbkalibriert digital darzustellen, war eine besondere Herausforderung. Das erklärte Ziel: den Farbverlauf im Material so exakt wiederzugeben, dass es digital geblendet werden kann.

Statt nur eine Platte als „Repräsentant“ eines kompletten Rohblocks einzustellen, von der aus der Kunde auf die weiteren schließen muss, zeigt die Stone Gallery außerdem sämtliche Platten des Blocks. Productmanager Kurt Ratschiller sagt: „Die Rohplatten sind allesamt hochauflösend gescannt, getaggt und abgelegt. Wir haben im Hintergrund eine Schnittstelle zu unserer Lagerverwaltung laufen, sodass der Kunde in Echtzeit auf aktuelle Lagerbestände zugreifen kann. Wir arbeiten daran, künftig auch Defekte in den Rohplatten in der Datenbank zu zeigen.“

So soll auch die Nettoausbeute des Materials gesteigert und somit nachhaltiger gearbeitet werden: Denn besondere Venierungen und heterogenes Material können beliebig kombiniert werden. Besonders im Interieurbereich, erzählt Keller, sind Projekte beliebt, bei denen beispielsweise der Verlauf der Venierung einer Wandverkleidung aussieht, als wäre sie aus einem einzigen Marmorblock herausgeschnitten worden.

Solche Verläufe zu planen, ist bisher sehr zeitaufwendig und damit teuer. Nicht zuletzt durch den Abnahmeprozess, für den die Platten nach dem endgültigen Verlegeplan ausgelegt werden. Bei der Stone Gallery ließen sich die Entwickler von großen B2C-Playern wie Amazon und Booking.com in Sachen Nutzerfreundlichkeit inspirieren. Das ist zukunftsweisend, denn die Digitalisierung ist bei jedem angekommen und Nutzer fordern eine bequeme Customer Journey, unabhängig davon, ob sie gerade privat Onlineshopping betreiben oder beruflich Rohplatten sondieren. Die Datenbank bietet beispielsweise Selektionsfilter wie fünf Preiskategorien mit Quadratmeterpreisen und erlaubt das Vergleichen von Platten mit Vorauswahl sowie die Reservierung von Material.

Neues Planungstool für Architekten und Steinmetze

Das millimetergenaue Scannen der Rohplatten ermöglicht einen großen Fortschritt in der digitalen Planung: Die Datenbank von Lasa Marmo ist verbunden mit DDL.20, einer Software zum Digital Dry Layout, also digitalem Blending. Dieses neue Tool hat Jan Keller von der Firma Art Emotional gemeinsam mit den Laasern in einer zweijährigen Projektphase entwickelt. Er will damit eine intuitive Schnittstelle zwischen CAD-Programmen und der Steinindustrie bieten: „DDL.20 sorgt dafür, dass die Kommunikation zwischen den Beteiligten eines Projekts mit Naturstein international verständlich ist, in klaren Bildern, verbindlichen Zahlen und den Daten für die Bearbeitung. So können wir eine neue Ökonomie im Umgang mit Naturstein und nachhaltigere Projekte erreichen. Wir wollen zum Branchenvorreiter werden, eine Art Booking. com für Naturstein.“

Die Idee für das Programm entstand bereits beim Projekt World Trade Center Transportation Hub: Für den Großauftrag in New York lieferte Lasa Marmo von 2012 bis 2016 insgesamt 40.000 Quadratmeter Marmor. Bei den mehr als 130 Kontrollen und Abnahmeterminen zwischen den USA und Südtirol wurde der Wunsch nach einem Digital-Tool laut. Überhaupt, so sagt es Keller, laufe in der Branche ein Großteil der Planungsprozesse bisher unkomfortabel und langwierig, weil Naturstein nicht erfolgreich mit den Möglichkeiten der Digitalisierung vereint wurde.

So funktioniert der digitale Planungsprozess

Keller und sein Team bieten kostenlose Webinare zur Einführung in die Plattform DDL.20 an. Und Lasa Marmo bietet ein Planungsteam, das als Support im Hintergrund arbeitet, Projekte monitoren und bei Bedarf mit blenden kann. Grundsätzlich funktioniert das Tool folgendermaßen: Architekten und Bauplaner legen ein Projekt, etwa eine Wandverkleidung, an und laden ihren dazugehörigen Entwurf im DXF-Format hoch. In der angebundenen Stone Gallery können sie passende Rohplatten auswählen, die dann für ihr Projekt freigehalten werden.

Im Blending-Modul können sie nun die geplante Wandverkleidung individuell blenden. Die ausgewählten Platten sind millimetergenau hinterlegt und werden skaliert per Drag&Drop in den Projektplan übernommen. Dort lassen sie sich zum Beispiel anhand ihrer Venierung ausrichten, verschieben und kombinieren. Ein spezielles Feature zeigt dabei die bestmögliche Nutzung des Rohmaterials an.

Im Hintergrund schreibt das Tool Produktionsdateien aus den Blendings und gibt im Zweifelsfall Fehlermeldungen bei Überschneidungen oder fehlenden Produktionsrändern heraus. Bei Bedarf können mehrere Entwürfe angelegt werden, auch von verschiedenen Projektbeteiligten. Deren Befugnisse und Funktionen im Projekt legt der Verantwortliche im Tool fest. Auch Änderungen während des Planungsprozesses sind kein Problem: Das System speichert die Daten im Hintergrund, sodass bei einem Update nicht unbedingt komplett neu geblendet werden muss.

Im nächsten Schritt lassen sich die Blending-Varianten direkt in Renderingprogramme laden. Heraus kommt ein detaillierter Report, der alle wichtigen Parameter für die gesamte Wertschöpfungskette enthält: die Kostenberechnung, Angebotserstellung und Schnittvorbereitung. Für Verarbeiter erleichtert der Report die Produktionskontrolle, weil ein sogenanntes Cutting-Ticket die Sägedaten für jede Platte genau auflistet. Lasa Marmo gibt in diesem Schritt Rückmeldung, wenn die Nutzung des Materials ökonomischer geplant werden könnte. Der komplette Prozess aus Materialsichtung, Planung und Blending, Kontrolle sowie Produktion und Abnahme wird somit digitalisiert.

Das Tool will Keller in Zukunft für weitere Bruchbetreiber und somit weitere Natursteine neben dem Marmor aus Laas öffnen und „so der Branche neue Dynamik geben“.

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Grünes Licht für Centro Internazionale di Scultura

Stein Magazin
Lavizzara

Aus jahrelanger Planung wird endlich Realität: Im schweizerischen Peccia, Lavizzara, beginnt noch in diesem Jahr die Umsetzung des Centro Internazionale di Scultura. 

Die Gemeinde Lavizzara hat das Bauvorhaben für ein internationales Bildhauer-Zentrum in Peccia abgesegnet. Das bestätigte die Fondazione Internazionale per la Scultura (FIS). Bereits 1990 waren erste Vorstudien und Pläne für das Großprojekt angestoßen worden. Eine Umsetzung scheiterte jedoch mangels finanzieller Mittel. Mit Unterstützung des Kantons Tessin, der Gemeinde Lavizzara und privaten Spendern sowie einer Anpassung der Projektentwürfe an die Geldmittel der FIS wird das Bildhauer-Zentrum noch in diesem Jahr entstehen. Die FIS beauftragte dafür das Architekturbüro Michele und Francesco Bardelli und rechnet schon im Frühjahr 2019 mit der Eröffnung des Centro Internazionale di Scultura.

Peccia-Suedansicht
Illustrierte Außenansicht des Centro Internazionale di Scultura in Peccia, Lavizzara, von den Architekten Michele und Francesco Bardelli. Foto: Bardelli, Locarno/TI
CIS-Werkplatz
Illustration des offenen Werkplatzes. Foto: Bardelli, Locarno/TI
Ausstellungsgebaeude-CIS-Peccia
Außenansicht des Ausstellungsgebäudes, das als Teil des Centro Internazionale di Scultura geplant ist. Foto: Bardelli, Locarno/TI
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Innenansicht des Ausstellungsgebäudes. Im Hintergrund Donatorenwand im Eingangsbereich des Centro Internazionale di Scultura. Foto: Bardelli, Locarno/TI
Atelier-CIS
Innenansicht des Künstlerateliers. Foto: Bardelli, Locarno/TI

Tessiner Natur und urbane Hochkultur

Das Zentrum umfasst ein Ausstellungsgebäude am Ortseingang von Peccia. Hier sollen sich auch die Verwaltungsbüros und drei Werkstätten zur Bearbeitung von Stein, Holz und Metall befinden sowie die technischen Installationen. Fünf Künstlerateliers sind vorgesehen, die an einen gemeinsamen Werkplatz anschließen. Die Kunstschaffenden wohnen im Dorf Peccia in individuellen Unterkünften der „Casa degli Artisti“, was auf einer zusätzlichen Initiative beruht und durch die Investition eines privaten Spenders ermöglicht werden kann. Die Ateliers werden in Form von Stipendien jedes Jahr international ausgeschrieben.

Interaktion auf internationalem Niveau

Mit dem Internationalen Bildhauerzentrum inmitten des Tessiner Bergpanoramas soll ein Ort entstehen, wo sich Skulptur-Künstler aus aller Welt und ein interessiertes Publikum begegnen. Hinzu kommt die Auseinandersetzung mit heimischen Materialien wie dem Peccia-Marmor, womit das Zentrum an die Arbeit der Scuola di Scultura in Peccia anknüpft. Allein die Scuola zieht jährlich 3.000 Menschen an. Aus kultureller wie touristischer Sicht rechnen Gemeinde und Kanton daher mit weiteren positiven Auswirkungen des Bildhauer-Zentrums auf Leben und Betrieb vor Ort.

Die Gesamtkosten des Bauprojekts werden auf sechs Millionen Franken geschätzt. Für die Betriebskosten der ersten drei Jahre sind von der FIS Rücklagen von einer Million Franken geplant.

Kunstbegegnung am Kanal

Stein Magazin
5 Tonnen. Foto: Thomas Ochs

Unter dem Motto „verbinden / trennen“ entsteht ein Skulpturenweg am Main-Donau-Kanal. Für die Gestaltung des Regnitz-Radweg hat die Kuratorin und Bamberger Bildhauerin Rosa Brunner Künstler zum gemeinsamen Gestalten eingeladen.

Das Projekt entsteht im Auftrag des Flussparadies Franken. Im September 2017 kamen Bildhauer aus vier europäischen Ländern zusammen, um Ideen für den entstehenden Skulpturenweg zu entwickeln. Es soll durch Spenden verwirklicht werden.

Skulpturenweg-Flussparadies-Franken
„Wasserblume“ für den Markt Hirschaid von Petra Lange. Kalkstein bläulich 1 x 2 x 2 Meter, 5 Tonnen. Foto: Thomas Ochs, Petra Lange
Ausstellung_Landratsamt
„Altes Tor“ für den Markt Hirschaid von Petra Lange. Sandstein 3,5 x 3 x 1,5 Meter. Foto: Thomas Ochs, Petra Lange
Petra-Lange
Petra Lange bei der Arbeit am Modell. Foto: Thomas Ochs, Petra Lange
Skulptur-Entwurf-Radweg
„Between“ für den Markt Eggolsheim von Emanuela Camacci. Muschelkalk 1,8 x 0,3 x 2,5 Meter, 1,9 Tonnen. Foto: Thomas Ochs, Emanuela Camacci
Ragnitz-Radweg-Skulpturenweg
„Take Root“ für die Gemeinde Altendorf von Cissy van der Wel. Muschelkalk 1,5 x 1,4 x 2,5 Meter, 7 Tonnen. Foto: Thomas Ochs, Cissy van der Wel
Take-Root
Cissy van der Wel bei der Arbeit am Modell. Foto: Thomas Ochs, Cissy van der Wel

25 Jahre europäische Wasserstraße

Der Main-Donau-Kanal verbindet seit über 25 Jahren als europäische Wasserstraße das Schwarze Meer mit der Nordsee. Er wurde am 25. September 1992 nach 30-jähriger Bauzeit eröffnet. Gleichzeitig stellt er einen massiven Eingriff in die Landschaft dar, welche vom Kanal durchtrennt wird.

Daher sollten die Entwürfe das Thema „verbinden / trennen“ umsetzen: So wie der Main-Donau-Kanal Mensch und Natur verbindet, die entlang des Kanals leben – aber auch diejenigen voneinander trennt, die auf der jeweils anderen Seite des Kanals leben. Ziel ist es, die Kunstwerke an acht Standorten auf beiden Seiten vom Schiff aus betrachten zu können.

Skulpturen in Naturstein

Vier der Entwürfe sind aus Naturstein. Die „Wasserblume“ stammt von der Bildhauerin Petra Lange. Sie möchte die Blume als Sitzbank für den Markt Hirschaid in blauem Kalkstein verwirklichen. Die Idee hinter der Skulptur: Der sonst tief in der Erde verborgene Stein wird an die Oberfläche geholt. Ihr zweiter Entwurf lautet „Altes Tor“: eine Sandstein-Skulptur, die an ein altes Stadttor erinnern soll.

„Between“ für den Markt Eggolsheim von Emanuela Camacci ist eine symbolische Übersetzung des Themas Verbinden und Trennen. Zwei Monolithe aus Muschelkalk greifen ineinander – nach oben hin wird der Spalt zwischen beiden Elementen breiter. Mit den Wurzeln des Menschen beschäftigt sich „Take Root“. Der Entwurf für die Muschelkalk-Skulptur in Altendorf stammt von Cissy van der Wel.

Alle Entwürfe werden in der Ausstellung „Kunstgenuss am Regnitz-Radweg“ gezeigt. Um die Entwürfe zu verwirklichen, sucht das Flussparadies Franken Partner, die das Projekt mit einer Spende unterstützen. Die Ausstellung mit den kleineren Prototypen findet bis 30. Mai 2018 statt. Mehr Infos unter www.regnitzradweg.de und unter www.flussparadies-franken.de.