Das heimische Grün als Auftragsfeld

Stein Magazin

Der Garten ist in wie noch nie. Die Gestaltung der Oasen rund ums Haus gehört noch nicht zu den priorisierten Arbeitsgebieten der Steinmetze. Zeit zum Umdenken! Denn der Bedarf an Terrassen, Brunnen, Teichen, Mauern oder Skulpturen aus Naturstein steigt ständig.

Gartenarbeit kann etwas Meditatives haben: Durch „Slow Gardening“ wollen die Menschen der Hektik des modernen Lebens entkommen, um wieder eins mit der Umwelt und ihrer Umgebung zu werden. Vor der Haustür gibt es also viel zu tun, und Steinmetze erwartet ein breites Aufgabenspektrum. Steinmetz- und Bildhauermeister Andreas Scherer aus Kirchberg an der Jagst widmet etwa 50 Prozent seiner Arbeitszeit der Gestaltung von Gärten.

Terrassenplatten aus Tittlinger Feinkorn-Trittsteine aus Fürstensteiner Granit
Der private Saunahof wurde mit Terrassenplatten aus Tittlinger Feinkorn belegt.
Die Trittsteine bestehen aus Fürstensteiner Granit. (Foto: Kusser Granitwerke GmbH)
Gartenmauer aus Jurakalkstein
Eine Mauer aus Jurakalkstein
trennt einen Teil des Gartens ab,
schafft Gemütlichkeit und schützt
vor Wind. (Foto: Norbert Kreipl, Kusser Granitwerke GmbH)
Garten-Becken-Bayerwald-Granit
Großformatige Platten in 90 x 90
Zentimetern aus Bayerwald-Granit
säumen das Schwimmbad im
Garten. (Foto: Norbert Kreipl, Kusser Granitwerke GmbH)
Garten-Teich-Trittsteine Nero Assoluto
Nero Assoluto und Wasser: Die
großzügigen Trittsteine führen
durch den Teich und setzen im
Wasser Akzente. (Foto: Norbert Kreipl, Kusser Granitwerke GmbH)
Terrasse sandgestrahlte Bayerwald-Granit-Platten
Terrassenbelag aus großformatigen sandgestrahlten Bayerwald-Granit-Platten. Ein schmales Band aus
Nero Assoluto fasst den Sitzbereich in der Mitte ein. (Foto: Kusser Granitwerke GmbH)

Kooperationen als Schlüssel

Damit am Ende das Ergebnis stimmt, kooperiert Andreas Scherer mit anderen Handwerkern, insbesondere mit Garten- und Landschaftsbauern. Seiner Meinung nach müssen Steinmetze nicht die komplette Bandbreite des Gartenbaus abdecken: „Wir sollten vielmehr das tun, was wir können, und dies verfeinern und verbessern.“ Der Gartentrend bietet für uns Steinmetze jede Menge Potenzial, auch wenn wir erst einmal über ein paar Schatten springen müssen.“

Steter Tropfen höhlt den Stein

Das sieht auch Steinmetz- und Bildhauermeister Stefan Königsfeld so: „Aber wir müssen uns kümmern und Einsatz zeigen – am besten durch die Teilnahme an Gartenmessen“, weiß der stellvertretende Obermeister der Steinmetz- und Steinbildhauerinnung Essen. Dabei sei eine regelmäßige Teilnahme wichtig, denn „steter Tropfen höhlt den Stein“.

Tag der offenen Tür als Zugpferd

Franziska Kreipl-Poller, Steinmetzmeisterin und Bildhauerin aus Weidenbach in Oberbayern, bietet ebenfalls Objekte für den Garten an. Bisher hatte sie mit Kooperationen und Messen wenig Erfolg. Stattdessen präsentiert die Steinmetzin ihre Einzelobjekte unter anderem im Frühjahr am Tag der offenen Tür in ihrer Werkstatt.

Erfahren Sie mehr über die Gartengestaltung mit Naturstein in STEIN im Mai 2017.

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Im Dezember 2020 verstarb Helga Elisabeth Trassl

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Im Dezember 2020 verstarb Helga Elisabeth Trassl, öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für Naturwerkstein, kurz nach ihrem 80. Geburtstag.

Im Dezember 2020 verstarb Helga Elisabeth Trassl, öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für Naturwerkstein, kurz nach ihrem 80. Geburtstag. Foto: Unsplash

Im Dezember 2020 verstarb Helga Elisabeth Trassl. Die 1940 in Wien geborene und zeitlebens überzeugte Österreicherin fühlte sich dennoch in Würzburg heimisch. Frau Trassl war öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für Naturwerkstein im Innenausbau. Ihre Vereidigung erfolgte 1996 von der Industrie- und Handelskammer Würzburg-Schweinfurt. Sie war die erste weibliche Sachverständige bei der Kammer auf dem Natursteinsektor.

Die bei ihren ersten Gutachten noch vorhandene Skepsis in der von Männern dominierten Fachwelt war bald verflogen. Frau Trassl überzeugte durch ihre Fachkenntnis und durch ihr Verhandlungsgeschick auch in schwierig gelagerten Fällen. Im ehelichen Steinmetz- und Steinbildhauerbetrieb in Ardagger / Österreich sammelte sie Erfahrung im Versetzen von Naturwerkstein, gewann Überblick über viele Natursteinsorten mit ihren jeweiligen Eigenheiten und Besonderheiten. Als gelernte Drogisten hatte sie überdies auch fundierte Kenntnisse in Chemie – was damals für Sachverständige in der Natursteinbranche eher selten der Fall war. Nachdem mit der Weiterentwicklung der Verlegematerialien und –Methoden Chemie eine immer größere Rolle spielte, kamen ihr diese Kenntnisse bei ihren Gutachten zugute. Ab 1985 war sie  bis zu dessen Tod mit ihrem zweiten Ehemann Heinz Trassl in dessen Gutachterbüro tätig.

Frau Trassl starb kurz nach ihrem 80. Geburtstag in Würzburg nach langem und mit viel Energie und großer Geduld ausgetragenem Kampf gegen ihre Krankheit.

Die Problemlöser aus Diamant

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Jeder Anwender hat eigene Kriterien und Ansprüche an ein Werkzeug. Vor allem keramische Werkstoffe sind für viele Steinverarbeiter eine große Herausforderung. Herkömmliche Diamantwerkzeuge für Naturstein sind für die spröden Materialien ungeeignet. Inzwischen bieten Werkzeughersteller “Diamant”-Lösungen, die die empfindlichen Platten sicher bearbeiten.

Mit Dekton von Cosentino ist ein besonders anspruchsvoller Werkstoff hinzugekommen. Er ist hart und unnachgiebig gegenüber Verarbeitungsfehlern, so das einhellige Urteil der Anwender. Der anfänglichen Ratlosigkeit ist die Erkenntnis gewichen: Das gesinterte Material lässt sich nicht nur profilieren, sondern auch sicher schneiden, wenn man die Vorgaben der Werkzeughersteller akribisch beachtet.

Welcher Hersteller hierbei die Nase vorne hat, wird in der Steinmetzbranche eifrig diskutiert. Das optimale Schneidergebnis hängt neben der geeigneten Abstimmung von Bindung und Körnung auch von der Disziplin der Anwender ab. Regelmäßig anschärfen ist Pflicht, viel Kühlwasser und eine hohe Drehzahl ebenso. Doch nicht nur die Werkstoffeigenschaften fordern die Werkzeughersteller; oft sind es auch die Anwender selbst, die die Möglichkeiten von Maschine und Werkzeug voll ausreizen. Kurvenschnitte zum Beispiel; Gebogene Schnitte mit dem Sägeblatt auszuführen stresst Blattkerne und Segmente. Trennscheiben für Firmen, die Blätter nicht jedesmal extra umspannen wollen, besitzen daher gelaserte Segmente und einen verstärkten Kern.

Bei König hat man auf den Ruf nach mehr Tempo mit den sogenannten UHS-Werkzeugen reagiert. Das Akronym steht für Ultra High Speed. Wie sich das in der Praxis auswirkt, erklärt König-Produktmanager Stefan Nichter: Waren bei drei Zentimeter starkem Granit früher 200 bis 300 Millimeter Vorschub in der Minute mit dem Fingerfräser üblich, erreichen die UHS-Fräser 400-500 Millimeter. Besonders deutlich werden laut Nichter die Fortschritte in der Werkzeugherstellung bei den Parametern für Kunststein. Erreichte ein Fingerfräser im zwei Zentimeter starken Engineered Stone früher 300 bis 350, leisten die UHS-Werkzeuge bis zu 600 Millimetern in der Minute. Wie fordernd dagegen Keramik ist, zeigen die derzeit empfohlenen Werte von 150 bis 250 Millimetern in der Minute.

Lesen Sie mehr zum Thema “Empfindliche Werkstoffe sägen”mit vielen Beispielen aus der Praxis in STEIN im März 2015.