Nicht hinter jeder Reklamation stehen solche massiven Schadensbilder wie auf dieser Terrasse. Trotzdem sollten alle Reklamationen ernst genommen werden. Foto: Thomas Wilder
wie auf dieser Terrasse. Trotzdem sollten alle Reklamationen

Die Ansprüche an den Steinmetz in Bezug auf Technik, Planung und gewerkübergreifendes Know-how steigen. Hinzu kommen die Erwartungen der Kunden. Wer mithalten will, muss sich fortbilden und die Anforderungen kennen.

Nicht hinter jeder Reklamation stehen solche massiven Schadensbilder wie auf dieser Terrasse. Trotzdem sollten alle Reklamationen ernst genommen werden. Foto: Thomas Wilder

Reklamationen sind für Kunden eine Enttäuschung

Seit 25 Jahren untersuchen die Verbraucherschützer des Bauherren Schutzbundes (BSB) die Baumängel und Schadenssummen von Bauvorhaben. „Viele Mängel werden durch eine Bauausführung verursacht, die nicht den anerkannten Regeln der Technik entspricht oder vom Vertrag abweicht“, lautet das aktuelle Fazit von BSB-Geschäftsführer Florian Becker. Ein Klassiker: Feuchtschäden. Aber auch Planungsfehler, Fehler in der Koordination oder in der Bauüberwachung lösen Schäden aus, die zum Teil erhebliche Kosten nach sich ziehen.

Nach Angaben des BSB hat die Hälfte aller privat Bauenden mit Baumängeln zu kämpfen. Hinzu kommen Vertragsabweichungen (bei einem Drittel), verspätete Fertigstellung (bei fast einem Viertel) und Probleme bei der Abnahme. Wohl den Kunden, für die es reibungslos läuft, möchte man angesichts dieser Zahlen fast meinen.

Aus Kundensicht ist jede Reklamation – selbst wenn es sich nur um eine Kleinigkeit handelt – erst mal eine Enttäuschung. Das betont Service-Spezialist Ralph Lange. Entsprechend sensibel sollten Unternehmen mit Reklamationen umgehen. Schließlich wurde – ob nun zu Recht oder Unrecht – die Kundenerwartung nicht erfüllt. Ralph Lange: „Hinter einer Reklamation können rein emotional ganz verschiedene Gründe liegen: Ärger, Wut, die Sorge übervorteilt worden zu sein, oder einfach nur Unverständnis.“

Nicht jede Reklamation muss jedoch gleich zum Elefanten werden, genauso wenig wie jede Kundennachfrage hochemotional ist. „Das wird oft verwechselt“, mahnt Lange zur Umsicht und rät zunächst, den Grad der Erregung und die Möglichkeit einer unkomplizierten Klärung zu prüfen. Eine rein sachliche Reaktion sei bei großer Aufregung erst einmal nicht sinnvoll. Besser ist: zunächst Verständnis zeigen und die Kunden in ihrer Situation wahrnehmen.

Steinmetz als Versuchskaninchen

Diese Phase haben die Kunden, mit denen Thomas Wilder, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für das Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk, zu tun hat, längst hinter sich. Thomas Wilder nimmt aber zunächst einmal die Betriebe in Schutz: „Für das Gewerk wird es nicht einfacher. Immer neue Produkte drängen immer schneller auf den Markt und werden intensiv beworben. Der Steinmetz dient in der Werkstatt und auf der Baustelle da auch schon mal als Versuchskaninchen.“

Als Sachverständiger sieht er die Dinge natürlich anders. „Wir werden ja meist dann gerufen, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Dann gelten die Regeln der Technik, die Normen, die Merkblätter, die allgemein über Jahre in der Praxis anerkannte Verfahrensweise.“ Und es gelte: Wer schreibt, der bleibt. „Ich kann den Kollegen und Kolleginnen nur empfehlen, sich abzusichern. Vielleicht auch Kunden und Handel ins Boot zu holen“, rät Wilder.

Aber er weiß auch: In der Praxis kann man sich nicht gegen alle Eventualitäten absichern. Dazu müssten Kunden „Ordner voller Unterlagen“ unterschreiben. Es helfe aber, wenn man seinen Kunden erklären könne, wann Ansprüche unrealistisch sind.

Lesen Sie weiter in der STEIN 5/2021.

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Stein neu ordnen

Stein Magazin
„Bouquet“ und „Marble“(Foto: Constanza Meléndez

 

In gewissem Maße sind es die Meisterwerke von Tim Bennett: „Rose“, „Bouquet“ und „Marble“. Denn die Marmorwerke des Münchner Künstlers gehören zur Ausstellung „Me is ter“ der Galerie Jo Van De Loo. STEIN hat den Künstler in seinem Atelier im Münchner Stadtteil Giesing besucht, um sich von der Meisterlichkeit ein Bild zu machen. Unsere Skulptur des Monats April: 

Den Naturstein-Verschnitt kennen Stein-Experten: Rund die Hälfte des Materials kommt auf den Restposten. Nicht so bei Tim Bennett, Bildhauer in München. Wenn der gebürtige Engländer an seinem poliertem Carrara-Marmorblock arbeitet, geht er außergewöhnlich ökologisch vor. Mit Hammer und Meißel bearbeitet er den Stein, ohne dass er seine Funktion als Sockel verliert. Dabei wird dieser selbst zur Skulptur und die vermeintlichen „Reste“ zur Plastik. Denn der abgeschlagene Marmorbruch platziert Bennett „aufgepfropft“ auf den Sockel respektive Skulptur und ordnet damit das Material neu an. „Der Sockel spendet“ nennt der Künstler diesen Prozess. Eine wunderbare Beschreibung für ein Material, das für seine Härte geschätzt wird.

Materialkombination aus Marmor und Öl

Im Falle der Triologie von „Rose“, „Bouquet“ und „Marble“ (je 25x25x115 cm groß) hat Bennett die mit Dübel und Klebstoff verbundenen und mit ammoniakhaltiger Grundierung bearbeiteten Marmorbrüche noch mit Ölfarbe bemalt. Durch den pastösen Auftrag wirkt der kolossale Block weich und knetbar, ohne aber Sensibilität abzugeben.

„Der Prozess des Abschlagens dauert nur wenige Minuten. Auch das Aufsetzen der Reste auf den Sockel ist ziemlich simpel, sodass mich Steinmetze vielleicht belächeln würden“, meint Tim Bennett. Dabei ist es genau diese Einfachheit, die Bennett so faszinierend findet. Schließlich könne er so ganz intuitiv arbeiten und die Schönheit des Werkes in gewissem Maße dem Zufall überlassen.

Skulptur-des-monats-märz-Das-Haus-vom-Nikolaus-Schmidt
März 2017: Die Skulptur fertigte Robert Schmidt-Matt aus rotem Schweinstäler Sandstein. (Foto: Thomas Brenner)
Skulptur-des-monats-februar-dancing-column-tony-cragg
Februar 2017: Die „Dancing Column“ aus Seeberger Sandstein von Tony Cragg. (Foto: Charles Duprat)
skulptur-des-monats-januar-oloid-sabine-rassow
Januar 2017: Das Oloid aus kretischem Marmor von Sabine Rassow. (Foto: Piet Freitag)
skulptur-des-monats-dezember-mops-steve-seguin
Dezember 2016: „Der Mops“ von Steve Seguin aus Udelfanger Sandstein. (Foto: Bernd Decker)
skulptur_des-monats-november-homme-alberto-giacometti
November 2016: „Homme“ aus weißem Marmor von Alberto Giacometti. (Foto: Foto: Kunstmuseum Basel / Martin P. Bühler)
skulptur-des-monats-oktober_eisbaer_peter_hecht
Oktober 2016: Der liegende Eisbär aus Carrara Marmor von Peter Hecht. (Foto: Peter Hecht)
skulptur-des-monats-September-traumsaat-emanuel-wagner
September 2016: Die Skulptur „Traumsaat“ aus grünlichem Diabas von Emanuel Wagner. (Foto: Steinmetz Hans Wagner KG)
Skulptur-des-Monats-August - in motion
August 2016: Die Schwingungen der Skulptur „Steinskúfa“ von Karin Reichmuth versetzen sie in Bewegung. (Foto: Þröstur Eggertsson)
skulptur-des-monats-juli
Juli 2016: „Nautilus“ aus Marmor von Ulrike Glaubitz. (Foto: Künstlerin)

Über den Künstler Tim Bennett

Tim Bennett hat bereits mit 18 Jahren sein Heimatland England verlassen, um erst in Holland und später in Frankreich zu leben. Danach ist er ins Allgäu gekommen, um eine Ausbildung zum Koch zu machen. Finanziert hat er sich diese Jahre vor allem mit Porträtmalerei. Um diese Gabe zu professionalisieren, wollte er an eine Akademie. Für ein Vorpraktikum ging er zu den Restaurierungswerkstätten Dr. Pfanner GmbH – hier lernte Bennett vor allem, wie er mit dem Material Stein umzugehen hat. Und er lernte den „sichtbaren Prozess“ im Schaffensprozess mit den Stein-Arbeiten schätzen. In München studierte Tim Bennett schließlich Malerei und Bildhauerei, wobei er letzterem vor allem verbunden blieb. Heute wird Tim Bennett von der Münchner Galerie Jo Van De Loo vertreten.


Hier sehen Sie die Skulpturen der letzten Monate:

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März 2017: Die Skulptur fertigte Robert Schmidt-Matt aus rotem Schweinstäler Sandstein. (Foto: Thomas Brenner)
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Februar 2017: Die „Dancing Column“ aus Seeberger Sandstein von Tony Cragg. (Foto: Charles Duprat)
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Dezember 2016: „Der Mops“ von Steve Seguin aus Udelfanger Sandstein. (Foto: Bernd Decker)
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November 2016: „Homme“ aus weißem Marmor von Alberto Giacometti. (Foto: Foto: Kunstmuseum Basel / Martin P. Bühler)
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Oktober 2016: Der liegende Eisbär aus Carrara Marmor von Peter Hecht. (Foto: Peter Hecht)
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Juli 2016: „Nautilus“ aus Marmor von Ulrike Glaubitz. (Foto: Künstlerin)

Freisprechungsfeier 2016 in Wunsiedel

Stein Magazin

Nach 3 Jahren intensiver Lehrzeit ist die Steinmetz-Ausbildung am Steinzentrum in Wunsiedel für 40 Auszubildende beendet. Im Zuge einer traditionellen Freisprechungsfeier werden die Lehrlinge von Vertretern des Europäischen Fortbildungszentrums (EFBZ) in die Gesellenpraxis entlassen. 

Bei der Freisprechungsfeier 2016 wurden 40 Auszubildende des Steinmetzhandwerks am Steinzentrum in Wunsiedel nach erfolgreicher Beendigung ihrer Abschlussprüfungen geehrt. Im Rahmen einer jahrtausende alten Tradition beorderte der Zeremonienmeister und Leiter des EFBZ Erwin Hornauer die angehenden Steinmetze und Steinbildhauer feierlich in den Gesellenstand. Bei der zunftgerechten Freisprechungsfeier erfahren die Lehrlinge symbolisch durch einen Schlag mit dem Richtscheit eine letzte Züchtigung ihres Meisters. Vor der endgültigen Entlassung muss jeder Geselle zwei schnelle und einen festen Probeschlag an einem Steinblock vorführen – diese spiegeln Eifer und Bedächtigkeit bei der Handwerksarbeit wider. Der Abschied der Lehrzeit endet mit der Übergabe der Gesellenbriefe und Zeugnisse. Dieser Ablauf ist das Ergebnis einer traditionsreichen Zunftgeschichte. Schon seit Jahrhunderten werden Steinmetz-Lehrlinge mit einem Eintrag in das Gesellenbuch der Zunft und der Übergabe des Gesellenbriefs vom Familienverband des Meisters freigesprochen.

Erwin Hornauer betonte während der Feierlichkeiten, wie wichtig eine kontinuierliche Weiterbildung für die jungen Gesellen sei. Zu diesem Zweck werde das Fortbildungszentrum auch zu einem Kompetenzzentrum für das Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk ausgebaut. Nach der geplanten Fertigstellung des Neubaus Ende diesen Jahres können sich Steinmetze und Steinbildhauer an einer Erweiterung des Bildungsangebotes und Spezialkursen, wie beispielsweise der Steinbearbeitung mit modernster CNC-Technik, erfreuen.