Trauer um Dr.-Ing. Martin Kern

Stein Magazin

Der Ingenieur, mehrfache Geschäftsführer und Vorstand der Kies und Beton AG Baden-Baden Martin Kern ist mit Anfang 50 aufgrund eines tragischen Verkehrsunfalls verstorben. Ein Nachruf. 

Die Baustoff-, Steine- und Erdenindustrie sowie Familie und Angehörige trauern um einen großen Unternehmer, Kollegen und Mitmenschen: Dr.-Ing. Martin Kern ist am 3. Mai 2018 bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückt. Er war Gesellschafter der Kies und Beton Baden-Baden GmbH & Co. Holding KG, Vorstand der Kies und Beton AG Baden-Baden sowie Geschäftsführer mehrerer Gesellschaften dieser Unternehmensgruppe.

In einem Nachruf beschreibt ISTE-Hauptgeschäftsführer Thomas Beißwenger Martin Kern als einen Menschen mit offener, zuversichtlicher und lebensfroher Art und höchster fachlicher Kompetenz. Damit war Martin Kern nicht nur beruflich erfolgreich, sondern wurde auch von Kollegen und Wegbegleitern hoch geschätzt. „Er vertrat seine Meinung stets fachlich und technisch fundiert, falls nötig deutlich hörbar und immer rhetorisch billant“, so Beißwenger.

Martin Kern – der in Karlsruhe geboren wurde, nach dem Abitur Maschinenbau studierte und schließlich im Bereich Baustoffkunde promovierte –  sicherte mit seinem technischen Wissen über die heimischen Rohstoffe Baden-Württembergs die Grundlage zur Ausführung unzähliger Bauprojekte des Landes. Mehr als 14 Jahre war er Mitglied im Umwelt- und Rohstoffausschuss des Industrieverbandes Steine und Erden Baden-Württemberg e.V. (ISTE), den er ab dem Jahr 2008 auch als Vorsitzender leitete. Im selben Jahr übernahm Martin Kern zudem den Vorsitz des Arbeitsausschusses Rohstoffsicherung, Umweltschutz und Folgenutzung des Bundesverbandes Mineralische Rohstoffe (MIRO). Entscheidungen über Forschungsvorhaben profitierten von seinen fachlichen Kompetenzen, die er als Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Forschungsgemeinschaft Mineralische Rohstoffe einbringen konnte.

Martin Kern beschäftigten vor allem Themen wie der Zugang zu Rohstoffen, die Wirtschaftlichkeit der Lagerstättenerschließung hinsichtlich gegenwärtiger Anforderungen des Natur- und Artenschutzrechtes und das mögliche Zusammenspiel der vermeintlich widersprüchlichen Interessen. „Seine Stimme als Unternehmer und Vorsitzender verschiedenster Gremien auf Landes- und Bundesebene galt viel, wurde gehört und ernstgenommen“, schreibt Beißwenger über Martin Kern, denn dieser verstand es, die Bedeutung heimischer mineralischer Rohstoffe zu vermitteln, mit Daten, Fakten und Zahlen zu argumentieren und auf die Gewinnung und Verwendung von Rohstoffen bei Politikern, Parlamentariern, in Verwaltungen und der allgemeinen Öffentlichkeit aufmerksam zu machen. So engagierte sich Martin Kern auch auf Bundesebene, wie im Jahr 2013 beim Kongress der CDU/CSU zum Thema „Rohstoffstandort Deutschland“.

In seinem Brief betont Beißwenger Martin Kerns überragenden Einsatz sowie sein unaufhörliches und zielorientiertes Wirken.

Die Branche nimmt Abschied von einem engagierten Unternehmervertreter und blickt mit Respekt, Hochachtung und Dankbarkeit auf Dr.-Ing. Martin Kern zurück.

Könnte dich auch interessieren

Das fliegende Auge

Stein Magazin
Sanierens und Erhaltens von Baubestand haben sich Drohnen schon vielfach bewährt. Foto: Geospector
Sanierens und Erhaltens von Baubestand haben sich Drohnen schon vielfach bewährt. Foto: Geospector

In unsere neuen STEIN-Serie „Chancen nutzen“ teilen wir unser Wissen über Vorgehensweisen, die Unternehmen nutzen können, um langfristig erfolgreich zu sein. In der ersten Folge dreht sich alles um den Blick von oben. Drohnen ermöglichen Inspektionen, Aufmaße und Dokumentationen von Steinbrüchen oder Fassaden.

Unbemannte Fluggeräte, englisch Unmanned Aircraft Systems oder Unmanned Area Vehicles (UAS, UAV), populär meist „Drohnen“ oder „Multicopterd“ genannt, werden inzwischen in zahlreichen Bereichen des Bauens, Sanierens und Erhaltens von Baubestand eingesetzt. Mit einer visuellen Digital- oder Wärmebildkamera oder einem 3-D-Laserscanner ausgestattet, können ferngesteuerte Drohnen Steinbrüche, Fassaden oder Dachflächen inspizieren oder geometrisch erfassen, Schäden lokalisieren und dokumentieren, Energieverluste aufdecken und vieles mehr.

Sollen Bau-, Sanierungs- oder Umbaumaßnahmen erfolgreich sein, müssen sie sorgfältig vorbereitet und geplant werden. Aktuelle und verlässliche Bestandsdaten sind die wichtigste Grundlage einer umsichtigen Planung. Terrestrische Aufmaßverfahren wie die Tachymetrie, das Laserscanning oder die Fotogrammetrie erfassen nur jene Bereiche, die vom Boden oder von der umgebenden Bebauung aus zugänglich und sichtbar sind. Dachflächen und andere unzugängliche Bereiche der Gebäudefassade lassen sich geometrisch und fotografisch nicht oder nur unzureichend erfassen.

Drohnen können über die luftbildgestützte Fotogrammetrie oder 3-D-Laserscanner Bauwerke und andere Objekte lückenlos geometrisch vermessen und werden deshalb manchmal auch parallel eingesetzt: Aus perspektivisch entzerrten Luftbildern lassen sich zentimetergenaue und maßstabsgerechte Dachaufsichten oder Fassadenansichten erstellen. Werden die Luftbilder fotogrammetrisch ausgewertet, lassen sich daraus 2-D-Pläne oder dreidimensionale Modelle der Gebäudehülle erstellen. Diese können als Grundlage für Planungen, Kostenberechnungen, Ausschreibungen oder Visualisierungen verwendet werden.

Mit speziellen 3-D-Laserscannern ausgestattete Drohnen, können das Umfeld rasterförmig in Sekundenschnelle abtasten und dabei Millionen von 3-D-Messpunkten, sogenannte „Punktwolken“ erzeugen. Dabei speichern sie die Geometriedaten aller umgebenden Objekte als räumliche Koordinatenwerte ab. Eine integrierte Digitalkamera erzeugt zusätzlich 360-Grad-Fotopanoramen und erfasst Gebäudehüllen nahezu lückenlos. Messdrohnen sind auch in der Lage, von Halden, Kies- und Schottergruben, Deponien oder Steinbrüchen zunächst Orthogonalfotos oder 3-D-Laserscans und daraus 2-D-Lagepläne, 3-D-Geländemodelle, Massen und Volumen zu generieren, ohne dabei den laufenden Betrieb zu stören oder Personen zu gefährden.

Lesen Sie mehr in der STEIN 8/2020.

Im Gespräch statt im Gerede

Stein Magazin

Gestorben wird immer. Aber nicht mehr genug, schreibt Henning Sußebach am 3. November in der Wochenzeitung »Die Zeit«. Er kommt dann zu dem Schluss, dass viele Bürger ihre Asche lieber verstreuen, als ein Grab zu kaufen. Sußebach formuliert ein Problem, mit dem sich auch das Steinmetzhandwerk auseinandersetzen muss: Sogar Friedhöfe können sterben. Zum Leben brauchen sie Tote. Die werden aber auf den herkömmlichen Friedhöfen immer weniger. Sie haben Konkurrenz bekommen. Die Menschen in einer »Multioptionsgesellschaft« möchten sich nicht mehr dem schematischen Schachbrettmuster der Friedhöfe fügen. Friedhöfe sind heute nur eine Option unter ganz verschiedenen Bestattungsmöglichkeiten.

Die Folgen sind klar: kein Friedhof, kein Grab, kein Stein. Das Steinmetzhandwerk ist gefordert. Grabzeichen können mit dazu beitragen, Friedhöfe am Leben zu halten. Allerdings: Diese Zeichen müssen einen Sinn, eine Botschaft, einen Wert für die Hinterbliebenen haben. »Blut indischer Kinder haftet an deutschen Grabsteinen« oder »Grabsteine aus Kinderarbeit stehen auf deutschen Friedhöfen«. Meldungen wie diese bringen die Zeichen am Grab ins Gerede. »Kinderarbeit bei Grabsteinen wieder erlaubt« stand am 16. Oktober in der Tageszeitung »Nürnberger Nachrichten«: In einem Urteil hatte das Bundesverwaltungsgericht die Nürnberger Friedhofsordnung gekippt. Die Stadt wollte sicherstellen, dass auf den städtischen Friedhöfen keine Grabsteine aufgestellt werden dürfen, die von Kinderhänden geformt wurden. Ein Steinmetz klagte. Er gewann! Nur was? Wer soll überprüfen, unter welchen Bedingungen die Steine entstehen, fragten die Richter. Eine Zertifizierung mit verbindlichen Maßstäben muss her. Juristisch ist es nicht zu beanstanden.

Allerdings: Viele der Zertifikate zu sozialen oder ökologischen Standards sind in Bereichen kaum den Kleber wert, mit dem sie auf ein Produkt gepappt werden. Es liegt jetzt an jedem Handwerker selbst, welche Grabzeichen er anbietet und mit welchen Steinen er arbeitet. Das Produkt Grabstein ist wieder einmal im Gerede, statt im Gespräch zu sein. Das ist ärgerlich.

Willy Hafner’s Betreff aus STEIN im Dezember 2013.

Bild: Aeternitas e.V.